Geschichte der Sängervereinigung Iggelheim

  Die beiden Gründungsvereine:

 

 Gesangverein "Eintracht"

Als nach dem siegreichen Krieg gegen Frankreich am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal zu Versailles Wilhelm 1. zum Deutschen Kaiser ausgerufen wurde, ahnte dort niemand, daß fast zur gleichen Zeit ein geschichtsträchtiges Datum in die Annalen unseres Ortes einging. Vom 21. Januar 1871 datieren in den vereinseigenen Unterlagen die ersten Aufzeichnungen, was somit als Gründungsdatum anzusehen ist. Im ältesten Protokollbuch ist zunächst in 34 Paragraphen die Satzung des Gesangvereins Eintracht verfaßt, hiernach folgt die Nieder-schrift der Ge-neralversammlung vom  21. Januar 1871 mit der Wahl des Ausschusses. Bereits die erste Mitgliederliste vom 20.2.1871 weist einen Stand von 60 aktiven und 14 passiven Mitgliedern aus.

Ein loser Zusammenschluß von Singenden muß bereits vorher schon bestanden haben, denn ebenfalls am 20.2.1871 wurde der monatliche Beitrag sowohl der aktiven als auch der passiven Mitglieder von sechs auf acht Kreuzer erhöht und es wurde beschlossen, daß fernerhin eintretende Mitglieder ein Eintrittsgeld von 1 Gulden 45 Kreuzer zu zahlen haben. Am 26.03.1871 wurde beschlossen, daß jedem Mitglied, ob aktiv oder passiv, beim Begräbnis unentgeltlich gesungen wird, jedem achtbaren Bürger gegen Zahlung von 5 Gulden in die Vereinskasse.

Am 11.06.1871 wurde bereits das erste Konzert bei Herrn Sieber abgehalten und in der Versammlung vom 30.07.1871 wurden die Herren Lehrer Peter Gärtner, Johann Wingerter und Jakob Zehfuß als Ehrenmitglieder aufgenommen.

Wie streng damals die Sitten und Gebräuche waren, ist weiter nachzulesen. Über die Aufnahme als Mitglied wurde durch die sogenannte Kugelung entschieden, wobei die weißen Kugeln durch absolute Mehrheit überwiegen mußten. Wer als aktives Mitglied aufgenommen werden wollte, mußte sich durch den Dirigenten einer  Stimmprüfung unterziehen. Fiel diese negativ aus, konnte er nur als passives Mitglied, wiederum nach vor-stehender Abstimmung, auf-genommen werden. Die Gesangs-disziplin in der damaligen Zeit war geradezu vorbildlich. Alle Sänger mußten sich zum pünktlichen Besuch der Sing- stunde verpflichten. Schon bei einmaligem unentschuldigtem Fehlen mußte ein kleiner Betrag als Buße in die Vereinskasse gezahlt werden. Das Fernbleiben bei Beerdigungen, an denen der Verein teilnahm, wurde sogar mit ganz empfindlichen Strafen belegt. Wurde vom Verein an einem Wett oder Freundschafts-singen teilgenommen, so hatte jeder Sänger im voraus 5 Mark zu hinterlegen als Garantie für seine Mitwirkung. Später wurde das vorgelegte Geld wieder erstattet. Diese Beispiele beweisen deutlich, mit welchem Eifer und großem Idealismus schon in den Anfangsjahren unseres Vereins gearbeitet und gewirkt wurde.  

 

 

Eintracht

Einweihung des Kriegerdenkmals : Kriegerverein mit Ehrendamen Juni 1900

 

Das letzte Protokoll des Gesangvereins Eintracht datiert von 23.12.1937. Die Singstunden und das Vereinsleben gingen weiter bis zum Dezember 1940 wie das Kassenbuch zeigt, aber Sitzungsprotokolle wurden keine mehr verfaßt. 

 
 Arbeiter-Gesangverein "Frohsinn"

In der Zeit der großen Arbeiterstreiks im Ruhrgebiet, in Ruß-land und Belgien wurde im Jahre 1905 der Arbeiter Gesang-verein "Frohsinn" gegründet und zählte 40 Mitglieder. Es liegen uns leider keinerlei Vereinsunterlagen vor, weshalb eine Chronik nicht möglich ist. Aus den spärlichen Nachweisen ist uns bekannt, daß eine Vereinsfahne am 2. Juli 1911 feierlich geweiht wurde. Am 19.06.1921 trat der Chor anläßlich des 50 jährigen Stiftungsfestes des GV Eintracht auf. Weitere eigene Veranstaltungen sind aus den gemeindlichen Unterlagen "Lustbarkeitssteuer" ersichtlich, und zwar:     

     12.02.1921       Konzert

     02.04.1921       Ball

     10.04.1921       Frühjahrskonzert

     07.12.1921       Weihnachtsfeier

     21.12.1921       Weihnachtskonzert

     08.01.1922       Ball            

     12.02.1922       Konzert

     25.02.1922       Faschingsball 

Es bleibt doch festzustellen, daß ein reges Vereinsleben stattgefunden hat. Am 22.06.1929 nahm der Chor beim 50 jährigen Stiftungsfest des GV Liederkranz teil, ebenso am 28.06.1931 am Reichsarbeitersporttag auf dem Gemeindefest-platz. Im Jahre 1930 durfte als einziges Jubiläum das 25 jährige Stiftungsfest begangen werden, doch leider sind uns auch hier nähere Einzelheiten nicht bekannt. Ein einziges Konzertprogramm vom 06.03.1932 im Saale von Georg Weiß liegt uns vor. Neben dem Vereinschor traten 3 Solisten auf, die musikalische Umrahmung oblag dem Orchester P. Waldenaire. Die Gesamtleitung lag in den Händen von Dirigent Kurt Werner.

Das Jahr 1933 brachte das Ende des jungen auf strebenden Vereins. Das Gesetz über die Einbeziehung kommunistischen Vermögens vom 26.05.1933 betraf unmittelbar die Arbeiter-gesangvereine. Sie wurden als marxistische Vereine ange-sehen und deswegen auch verboten. Mit dem Verbot verband sich gleichzeitig die Beschlagnahme des gesamten Vermögens. Das mit Verfügung vom 30.7.34 zugunsten des Landes Bayern eingezogene volks-  und staatsfeindliche Vermögen wurde "verwertet". Hierunter fielen auch das Protokoll und Kassen-buch. Das vorhandene Notenmaterial wurde zunächst vom stellvertretenden Bundesleiter, Herrn Hauptlehrer Daniel aus Mundenheim, geprüft und die als "geeignet erklärten Chöre" wurden am 12.04.1935 an die Iggelheimer Vereine gemäß Los verteilt. Es erhielten :

  GV Liederkranz    16 Chöre und

                            27 Bände für gemischte Chöre

  GV Eintracht        43 Chöre

Frohsinn

          Erinnerung an die Fahnenweihe am 02.Juni 1911

Die Vereinsfahne mit Schleife und ein Bild wurden am 15.02.1935 amtlich durch Verbrennung vernichtet.  

 

 Sängervereinigung Iggelheim 1871 / 1905

Das Land erholte sich langsam von den Grauen des zweiten Weltkrieges, Ruhe und Frieden kehrte in die Dorfgemeinschaft ein. Trotz der Opfer und der schweren Nachkriegszeit fanden sich 1947 wieder einige Idealisten und riefen den Gesang zu neuem Leben. Die Idee, die ehemaligen Gesangvereine Eintracht und Frohsinn zu vereinen, fand lebhaften Beifall. Ausschlaggebend war auch die französische Militärregierung, die zunächst nur einen Gesangverein im Dorfe zuließ. So kam es am 30. März 1947 im Gasthaus "Zum Hirsch" zur Gründungsversammlung von 37 Mitgliedern, wo sich die "Sängervereinigung Iggelheim 1871/1905" neu konstituierte. Der unter diesem Namen wiedergegründete Verein sieht laut Satzung in der Pflege und Ausbreitung des deutschen Chorgesangs seine wichtige kulturelle Gemeinschaftsaufgabe und führt somit die alte Tradition fort. Im Vereinsnamen sind auch die Gründungsjahre der Vorgänger, nämlich 1871 für den Gesangverein "Eintracht" und 1905 für den Arbeiter-Gesangverein "Frohsinn" festgehalten. Die Initiatoren und Triebfedern dieser Vereinigung waren die Herren Johannes Wagemann und Jakob Bohrmann, die später ob ihrer Verdienste zu Ehrenvorsitzenden ernannt wurden. 

 

1947

Die 1. Singstunde wurde am 18.04.1947 durchgeführt, von der Gemeinde wurde uns ein Schulsaal im Schulhaus in der Langgasse zugewiesen, der vom Verein noch hergerichtet und die Lichtanlage in Ordnung gebracht werden mußte. Als Dirigent konnte Hans Schott aus Dannstadt verpflichtet werden, der es jedoch zu Bedingung machte, daß der Verein für Fahrgelegenheit sorgt, das heißt, ihn abholt und wieder heimbringt. Am 6.7. wird der einstimmige Beschluß gefaßt, daß das noch vorhandene Vereinsvermögen beider Gründungsvereine in dem Gesamtvermögen der neuen Sängervereinigung aufgeht.

 

1948

Am 8.02.1948 wird beschlossen, die SV in das Vereinsregister eintragen zu lassen. Hierzu ist jedoch eine ordnungsgemäße Satzung von nöten. Die beiden vorhandenen Klaviere sollen gegen einen Flügel getauscht werden. 21.6.48 Währungsreform.  Die Vereinskasse weist ein Vermögen von 2866,71 RM aus. Dem evangelische Kirchenchor wird aus der Zeit des gemischten Chors bei der "Eintracht" kirchliches Notenmaterial leihweise zur Verfügung gestellt.

 

1949

In der Generalversammlung vom 23.01.1949 wird nach lebhafter Diskussion einstimmig beschlossen, die Ehrungsmodalitäten doch wie bisher bei den Gründungsvereinen beizubehalten: Ernennung zum Ehrenmitglied entweder bei 25 jähriger ununterbrochener aktiver Singetätigkeit oder 35 Jahren passiver Mitgliedschaft. Das erste Konzert der neugegründeten SV findet am 22.05.1949 in Böhl gemeinsam mit den Böhler Sängern statt, nachdem Direktor Schott auch den Böhler Chor dirigiert. Das Vermögen des AGV Frohsinn wird im Nachhinein mit 1523,­Mark per Auflösung festgestellt. Am 30.12.1949 wird ein Konzertflügel zum Preis von 2900 DM erworben. Zur Finanzierung werden an die Mitglieder Anteilscheine ausgegeben. Die Klaviere sollen an interessierte Mitglieder verkauft werden.

 

1950

Es wird der Austritt aus dem Pfälzer Sängerbund im Deutschen Allgemeinen Sängerbund erklärt und der Beitritt in den Pfälzischen Sängerbund im Deutschen Sängerbund vollzogen. Am 23.04.1950 wird der Beschluß gefaßt, die Vereinsfahne von 1896 umsticken zu lassen und zwar soll aus Gesangverein Eintracht jetzt Sängervereinigung Iggelheim werden. Am 17.12.1950 wird die alte Tradition des "Eintracht" fortgesetzt und die erste Weihnachtsfeier nach dem Krieg neben einem Weihnachtstheater auch mit einem Lustspiel "Ede als Regierungsrat" verschönert. Der Eintrittspreis betrug 50 Pf., der Erfolg sprach für sich.

Mit Wirkung vom 01.01.1950 wird der Sängerkreis Speyer gegründet. Das erste Wertungssingen der Gruppe Schifferstadt findet am 15. Oktober in der Turnhalle des VfL Iggelheim statt. Mit der Note „fast sehr gut"  bot der Chor eine überzeugende Leistung. Am 8.10. beteiligte sich der Chor beim Gemeindeabend der prot. Kirchengemeinde anläßlich der Einholung der Glocken. Der 31.12.1950 schloß mit einer Restschuld an die Mitglieder in Form von Gutscheinen aus dem Flügelkauf in Höhe von 1267,­DM.

 

1951

Am 04.03.1951 wird eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen zur Festlegung und Besetzung der einzelnen Ausschüsse für die Gestaltung des anstehenden Jubelfestes "80 Jahre" am 19.-21.05.1951 auf dem VfL-Sportplatz. Es wird ein Zelt angemietet mit einem Fassungsvermögen von 1800 Personen. Ebenso soll die Veranda und die Turnhalle mitgenutzt werden.

 

 

 Maennerchor1951

Der Vereinschor im Jubeljahr 1951

 

 Ehrendamen1951

Fahnenträger mit den Ehrendamen 1951

Das Jubelfest wird eröffnet am Samstag mit einem Festbankett, welches das Blasorchester Concordia und die örtlichen Gesangvereine umrahmen. Dem Weckruf am Sonntag um 7 Uhr erfolgt um 10 Uhr ein Frühkonzert auf dem Festplatz. Am Nachmittag  zieht ein  Festzug mit 36 Gruppen durch die Ortsstraßen, bevor das Freundschaftssingen mit 25 Gastvereinen dargeboten wird. Ab 20 Uhr konzertiert wiederum die Concordia und der Montag endet mit vielen Volksbelustigungen.

 

1955

Am 23.07.1955 stellt Jakob Bohrmann den Antrag auf Errichtung eines Sängerheimes. Die Gemeinde soll um einen Bauplatz auf  Erbbaurecht angegangen werden. Nun trifft auch noch der Antrag des Landratsamtes und zugleich des Kreisschulamtes ein, wonach der Schulsaal  in der Grundschule weiterhin nicht mehr als Sängerübungsraum zur Verfügung gestellt werden kann. Nun wird erst recht unser Vorhaben, ein eigenes Heim zu erstellen, von dringlicher Bedeutung. Mehrere Vorschläge der Gemeinde konnten von uns bisher nicht angenommen werden.

 

1956

In der Generalversammlung vom 15.01.1956 wird der von der Gemeinde angebotene Garten beim Anwesen des alten Schulhauses einstimmig angenommen. Der Gesamtausschuß spendete daraufhin bereits einen ansehnlichen Betrag und es wird mit der Opferfreudigkeit der Mitglieder gerechnet, daß das Projekt "Sängerheimbau" ohne Probleme finanziert werden kann. Am 9.3. erklärt sich Mitglied Helmut Wenz bereit, ehrenamtlich und unentgeltlich die Bauleitung zu übernehmen. Sofort wird mit der Ausarbeitung des Erbbaurechtsvertrages begonnen und die amtliche Vermessung beantragt. Mit der Einreichung des Bauplanes laufen bereits die ersten Vorarbeiten für die Materialbeschaffung. Man ist Feuer und Flamme  die Euphorie geht sogar soweit : am 12.05.1956 wird jedes Ausschußmitglied verpflichtet, wenn es zur plötzlichen Arbeitshilfe eingeladen wird (z.B. Abladen von Material), unverzüglich die Arbeit aufzunehmen. Eine Planänderung muß unter Einschaltung der Bezirksregierung vorgenommen werden, was nach Ansicht des Vorsitzenden Jakob Bohrmann, der die Triebfeder zu allem ist und immer in vorderster Front steht, viel zu viel Zeit in Anspruch nimmt. Durch die bereits erfolgten Materiallieferungen sind die Barmitel aufgebraucht, weshalb gegen Bürgschaft verschiedener Ausschußmitglieder bei der Raiffeisenkasse ein Darlehen von 3000,- DM aufgenommen werden muß. Am 22.09.1956 wurde der Erbbaurechtsvertrag genehmigt und trotz aller Bautätigkeit fand man noch die Zeit am 07.10.1956 einen Ausflug nach Altleiningen zu unternehmen. Aber wer Jakob Bohrmann noch kannte, dem war klar: Zum Wintereinbruch war das Sängerheim unter Dach.

 

1958


Alles Vereinsinteresse gilt nur noch dem Sängerheim, der Außenputz steht noch an und der Einweihungstermin ist auf den 5.-6. Juli 1958 festgelegt. Die malerische Ausgestaltung des Innenraumes übernimmt das Mitglied Heinrich Lorch. Trotz der vielen Bauarbeiten wurde am 19.04.1959 Theater gespielt im "Hirsch". "Der Lippenstift ist schuld daran" war ein voller Erfolg, das Sängerquartett und die Schifferstadter Volksmusik rundeten das Programm ab. Dann war die Einweihungsfeier, ebenfalls mit den Schifferstadtern als musikalische Programmgestalter. Groß war die Zahl der Gratulanten, welche die Sängervereinigung  zu dem neuen und schönen Heim beglückwünschten. Alle örtlichen Chorgruppen, befreundete Ortsvereine sowie die Gesangvereine aus der Umgebung gaben sich über zwei Tage ihr Stelldichein, alle voll Bewunderung über das Erreichte. Am 07.09.1958 kam es zum ersten Freundschaftstreffen mit den Saarsängern vom "Frohsinn" Merchweiler in der "Pfalz", dem im Laufe der Jahre mehrere gegenseitige Besuche gefolgt sind. Am 19.10.1958 nahm der Chor eine Einladung an zum Chorsingen in der prot. Kirche zur Mitgestaltung des ev. Männertages. Die Weihnachts-feier am 21.12.1958 schlossen das Sängerjahr mit Theater im "Hirsch" ab. 

 sangerheim1959

 Das neu erbaute Sängerheim

Maenner1959

Der Vereinschor im neuen Sängerheim

1960

Die im Hinblick auf den Sängerheimbau aufgenommenen Bankdarlehen konnten restlos getilgt werden. In der Versammlung vom 24.01.1960 wird man sich einig, den auf Erbbaurecht genutzten Platz käuflich erwerben zu wollen. Mit der Gemeinde sollen die Verhandlungen aufgenommen werden. Der Gemeinderat hatte unserem Ansuchen auf Erwerb des Grundstücks zugestimmt zum Preise von 3,-/qm, so daß 1961 in der Generalversammlung vom 08.01.1961 der erforderliche Beschluß seitens des Vereins gefaßt werden konnte. Am 15.-17. Juli 1960 wurde das 90-jährige Stiftungsfest in der Sporthalle des VfB Iggelheim begangen. Das Festbankett am Samstag gestalteten der Vereinschor zusammen mit dem GV Liederkranz. Zum anschließenden Freundschaftssingen ebenso wie am Sonntag machten die Gastvereine aus der Umgebung ihre Aufwartung. Der Montag rundete mit Unterhaltungsmusik und Einlagen des TSV Iggelheim und örtlicher Gruppen das Fest ab. Als Festkapelle war die "Schwarz-weiß" engagiert. Der Erlös aus dem Fest wurde verwendet, um die Kosten für den Platzkauf zu begleichen. Dies erfolgte auf gemeindliche Anforderung am 23.09.1961. Nun war die Sängervereinigung Eigentümer.

 

1964

In der Generalversammlung vom 19.01.1964 wird der Beschluß gefaßt, der der jeweilige Chorleiter grundsätzlich als stimmberechtigtes Mitglied dem Ausschuß angehört. Am 19.6 wird in einer a.o. Mitgliederversammlung eine Satzungsänderung vollzogen. Die Sitzungen 1964 waren stets mit Planungsverhandlungen für den bevorstehenden Umbau ausgefüllt.

 

1965 und 1966

waren gezeichnet von reger Um- und Erweiterungsbautätigkeit. Unter der Leitung von Erich Hoock werden ein Sitzungszimmer mit Nebenzimmer und teilweiser Unterkellerung geschaffen. Hierzu war auch die Änderung der Toilettenanlage erforderlich, ebenso mußte die Dachkonstruktion des Neubaues mit dem Altbestand verbunden werden. Daß in dieser harten Belastungsphase das übliche Vereinsleben und der Singstundenbetrieb nicht besonders litt, zeugt schon von sehr viel Idealismus der aktiven Sänger. Am 1. Oktober 1966 sind die Umbauarbeiten soweit fortgeschritten, daß Aufschlagfest gefeiert wird.  In der Gemeinde herrscht Schulraumnot Die Verwaltung tritt an uns heran zwecks Anmietung des Sängerheims nach Fertigstellung der Umbaumaßnahme.

 

1968

Der Umbau ist fertig. Ab 01.04.1968 wird das Sängerheim als Schulraum an die Gemeinde vermietet. Als Jahresent­schädigung wird ein Beitrag von 1000,- angesetzt. Außerdem werden von der Gemeinde alle anfallen­den Kosten für Heizung, Beleuchtung, Wasser und Reinigung übernommen. Die bereits anfallenden Ko­sten für Kanalbau werden zunächst gestundet und mit der Entschädigung verrechnet. Eine besondere Ehre wurde dem Vereinschor am 17.11.1986 zuteil. Anläßlich des 50.Jahrestages der Unabhängigkeitserklärung Lettlands sang der Chor im Mannheimer Rosengarten. Höhepunkt der Veranstaltung waren das Lied „Ewig blaues Lettland-Gebirge", das in der Landessprache vorgetragen wurde und die lettische Volkslieder-Suite mit Kammerorchester und Solostimme. Stürmischer Applaus und wohltuende Dankesworte waren das Zeichen, daß wir gut aufgenommen worden sind. Da sah man manche Träne rollen ... stand tags darauf in der Zeitung. 

 

1969

Das Sängerheim wird weiter genutzt für Mütterberatung, Kreisvolksbildungswerk und Maschinenschreibkurs, ebenso hält der Gemeinderat seine Sitzungen dort ab. Eine Terminkoordination ist unbedingt erforderlich, geht aber ohne Probleme vonstatten. Die Außenansicht des Sängerheimes wird neu verputzt und gestrichen, der Kanalhausanschluß wird hergestellt und die Gehwegplatten auf dem Bürgersteig verlegt. Die Kanalkosten sind mittlerweile abgemietet, die anstehenden Straßenbaukosten werden gestundet bzw. abgemietet. Am 15.03.1969 beteiligt sich der Chor am Heimatabend anläßlich des 400‑jährigen Bestehens des alten Iggelheimer Rathauses. 

 

1970

In den Sommerferien wurde der Hof neu beplattet, was reibungslos vonstatten ging. Man war froh, daß die Bautätigkeit beendet war, denn die Vorbereitungsarbeiten zum bevorstehenden 100-jährigen Jubiläum nahmen breiten Raum ein.

 

1971

Die Vorbereitungen für das Jubiläumsfest waren schon frühzeitig angelaufen, das Fest konnte beginnen. Eine umfangreiche Festschrift war verfaßt worden. 

 

 flagge

Als größter Meilenstein in der Vereins- geschichte kann ohne Zweifel das 100-jährige Vereinsjubiläum bezeichnet werden. Das Jubeljahr begann mit dem Jahrhundert-Konzert", wie die Presse schrieb. Mit dem Männerchor, der verstärkt war durch den ev. Singkreis, den kath. Kirchenchor und den ev. Kirchenchor Böhl erklangen über 100 Stimmen auf der Bühne der TSV-Halle. Das Orcheser des Sportvereins 1846 Mannheim übernahm den musikalischen Teil. Der damalige Landrat Dr. Schädler überbrachte im Auftrag des damaligen Ministerpräsidenten Dr. Helmut Kohl den Wappenschild des Landes Rheinland-Pfalz für hervorragende Verdienste um die Erhaltung und Pflege des Deutschen Liedes und Chorgesangs. Das Konzert war eine eindrucksvolle Demonstration für den Chorgesang. Die Jubiläumsveranstaltungen vorn 15.-17. Mai 1971 waren der festliche Höhepunkt. Sie begannen am Samstagabend in dem auf dem hinteren Schulhof aufgebauten 3000 Personen fassenden Zelt mit einem Festbankett und Freundschaftssingen. Gastkapelle war der Musikverein AmAmendingen aus dem Allgäu. Unter den Ehrengästen war auch der damalige Kultusminister Dr. Bernhard Vogel. Der Sonntag begann mit dem Festgottesdienst im Zelt mit Totenehrung. Nachmittags marschierte der Umzug durch die Ortsstraßen mit über 80 Teilnehmergruppen (Gastvereine und örtliche Vereinsabordnungen), anschließend Freundschaftssingen. 64 Gesangvereine gaben sich über die zwei Tage ihr Stelldichein mit über 2000 Sängern. Das Jubeltest endete am Montag mit einem großen bunten Abend. Ohne überheblich werden zu wollen dürfen wir die Presse zitieren: "Das 100-jährige Stiftungsfest der Sängervereinigung Iggelheim wurde zu einem einmaligen Erfolg für den Verein und ein bleibendes Ruhmesblatt in der Vereinsgeschichte."

 urkunde

 

Am 23. Mai 1971 wurde der Sängervereinigung anläßlich einer Feierstunde des Sängerbundes Rheinland-Pfalz in Wittlich durch den Kultusminister Dr. Bernhard Vogel im Auftrag des Bundespräsidenten Gustav Heinemann die Zelterplakette 1971 als Auszeichnung für die in langjährigem Wirken erworbenen Verdienste um die Pflege der Chormusik und des Deutschen Liedes verliehen. Das Jubeljahr endete mit dem Jubiläumsball am 9. Oktober 1971. Aufgrund der gelungenen Jubiläumsveranstaltungen wurden alle Helfer/innen zu einem geselligen Beisammensein am 11.12.1971 ins Sängerheim eingeladen und bewirtet.

 plakette

 Zelter Plakette

 wappenschild

Wappenschild

 

 

Donnerstag, 23. November 2017

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